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fündig geworden

Kein Denkmal der Transparenz

Karin Dalla Torre soll die neue Landeskonservatorin werden. Doch nicht alle wollen einen Schlussstrich unter die Nachbesetzung der jahrelang vakanten Stelle ziehen.
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Mit gar einigem Argwohn war die Entscheidung im Vorfeld beäugt worden. Nun ist sie gefallen: Karin Dalla Torre wird die neue Direktorin der Abteilung Denkmalpflege.
Mit der Nominierung der derzeitigen Leiterin der Landesabteilung Museen am Dienstag ist die Sache allerdings noch nicht für alle gegessen.

 

Neustart unter wachem Auge

Im Februar dieses Jahres wird die Stelle Leitung der Landesabteilung Denkmalpflege neu ausgeschrieben. Seit 2015 ist die Führungsposition der Abteilung, die sich aus den drei Ämtern für Bodendenkmäler, Bau- und Kunstdenkmäler und Landesarchiv zusammensetzt, vakant. Derzeit wird die Abteilung noch von Florian Mussners Ressortdirektor Valentino Pagani geführt.

Die Stelle war nach der Nicht-Bestätigung des Auftrags von Waltraud Kofler-Engl nicht nachbesetzt worden. Ein unrühmlicher Abgang für Kofler-Engl – nach gerade einmal neun Monaten im Amt war die Politik zum Schluss gelangt, dass ihre Führungsqualitäten nicht mehr ausreichten. Umso genauer wollten einige bei der Neubesetzung der Schlüsselposition hinschauen. Wichtig sei vor allem “ein transparentes Auswahlverfahren auf dem Weg zur Bestellung einer fachlich qualifizierten, organisatorisch versierten Persönlichkeit von hoher Führungs- und Teamqualität, auch mit Rückgrat gegenüber Bauherren und Politik”, fasste der Grüne Landtagsabgeordnete Hans Heiss seine Erwartungen Anfang März dieses Jahres zusammen.

 

Wo ist die Basis?

Bis Ende März sollte die Abteilungsdirektion neu besetzt, der neue Landeskonservator bzw. die neue Landeskonservatorin gefunden sein. Doch das Auswahlverfahren zog sich in die Länge.
Erst am 28. und 29. Juni finden im Landhaus 1 die mündlichen Prüfungen für die Bewerber statt. 14 Kandidaten haben sich für die Stelle beworben. Nur sieben werden zugelassen. Am Ende befindet die Prüfungskommission – die Mitglieder sind als Vorsitzender der Generalsekretär der Regionalregierung, Alexander Steiner, die Direktorin der Anwaltschaft des Landes, Renate von Guggenberg, der freischaffende Architekt Wolfgang Piller, der Direktor der Vergabeagentur Thomas Mathà und Renata Codello, Direktorin der Stiftung “Giorgio Cini” in Venedig – zwei Bewerber als geeignet: Karin Dalla Torre und Luigi Scolari, der unter der inzwischen zur Amtsdirektorin zurückgestuften Waltraud Kofler-Engl als technischer Inspektor im Landesamt für Bau- und Kunstdenkmäler tätig ist.

Karin Dalla Torre

Neue Landeskonservatorin: am Dienstag fällt die Entscheidung der Landesregierung zugunsten von Karin Dalla Torre (Foto: LPA)

Die beiden Namen dringen alsbald an die Öffentlichkeit – was eigentlich keine Überraschung sein dürfte, werden die Ergebnisse der Wettbewerbe für Führungsaufträge doch im Normalfall von der Landesverwaltung veröffentlicht. Doch dieses Mal sucht man im Netz vergeblich nach den entsprechenden Dokumenten. Bis heute.
Der einzige Hinweis auf die Stellenausschreibung ist der Verweis auf ein Dekret des Landeshauptmannes. Es trägt die Nr. 8299 und das Datum vom 20. Mai 2018. Aber nach diesem Dokument sucht man ebenso vergeblich wie nach den Wettbewerbsergebnissen. Im Amtsblatt der Region ist das Dekret, das aber offensichtlich die Grundlage des Wettbewerbs bildet, nicht veröffentlicht worden. Das hat auch Hans Heiss bemerkt. Mehrere Anrufe bei verschiedenen Stellen der Landesverwaltung, die der Grüne Landtagsabgeordnete am gestrigen Dienstag Nachmittag tätigt, seien fruchtlos geblieben, berichtet er. “Das Dekret scheint wie vom Erdboden verschluckt.”

 

Keine Stimme wegen Polemik

Als diese Worte fallen, steht bereits fest: Karin Dalla Torre wird die neue Landeskonservatorin. “Das hat die Landesregierung heute beschlossen”, teilt die Landespresseagentur am Dienstag Mittag mit. Zumindest zwei der Mitglieder der Landesregierung haben jedenfalls nicht für die 54-jährige Germanistin gestimmt. Landeshauptmann Arno Kompatscher weilt im Urlaub. Er soll in den “kommenden Tagen oder Wochen” die Beauftragung Dalla Torres per Dekret besiegeln, teilt Kompatschers Stellvertreter Christian Tommasini mit. Er selbst hat sich der Stimme enthalten, verrät der italienische Landesrat den Medienvertretern im Anschluss an die Sitzung der Landesregierung.

Nicht weil er an der Dalla Torres Qualifikation zweifle, betont Tommasini. Sondern weil der Wettbewerb bzw. dessen Ergebnis im Vorfeld nach außen getragen und für eine Polemik gesorgt habe, die ihm zuwider sei. Bekanntlich polterte Oswald Schiefer, SVP-Fraktionssprecher im Landtag, vorige Woche, dass ein “italienischer Landeskonservator unvorstellbar” sei – und machte damit Stimmung gegen Luigi Scolari und für Karin Dalla Torre.
Aus der Nachbesetzung der Stelle “eine ethnisch-sprachliche Frage zu machen” sei “nie die Absicht der Landesregierung” gewesen, stellt Landesrat Tommasini am Dienstag klar. Und er wünsche sich für die Zukunft keine derartigen Diskussionen mehr – auch weil der Wettbewerb völlig gültig und transparent verlaufen sei.

Das sieht man nicht überall so. Bereits als das Auswahlverfahren Ende Februar online veröffentlicht wird – das entsprechende Dekret Nr. 2729 erlässt Landeshauptmann Kompatscher am 20. Februar –, runzeln sich einige Stirnen. Der Kompetenzenkatalog für die neue Führungskraft in der Landesabteilung Denkmalpflege mute “merkwürdig an”, meinte Hans Heiss. Und der Heimatpflegeverband brachte seine Perplexität über das “eigenartige Anforderungsprofil” in einem offenen Brief zum Ausdruck – mit der Forderung nach einer Neuausschreibung der Abteilungsdirektion.

Fachliche Kompetenzen
“Eigenartige fachliche Kompetenzen”, befand man beim Heimatpflegeverband im März

 

Einer erklärt, einer fragt

Nun, knapp vier Monate später, steht der Name der neuen Landeskonservatorin fest. Zur Begründung, warum man sich für Karin Dalla Torre entschieden hat, zählt der zuständige Landesrat Florian Mussner auf: “Sie ist in der Kulturgeschichte des Landes stark verwurzelt und bringt gute Voraussetzungen mit, um sich als Landeskonservatorin für den Bestand aller Denkmäler, seien dies nun Baudenkmäler, Bodendenkmäler oder Archivgut, wirkungsvoll einzusetzen.” Zugleich verweist Mussner auf die langjährige Erfahrung Dalla Torres in Organisation, Verwaltung und Personalführung – ausschlaggebend für den Sieg gegen Scolari –: “An der Spitze einer so wichtigen Verwaltungseinheit wie die Denkmalpflege sind Organisationstalent, Verwaltungs- und juridisches Wissen, Vernetzung und Führungserfahrung sowie Verhandlungsgeschick von grundlegender Bedeutung, auch weil es immer wieder um Interessensausgleich geht.”

Das will Hans Heiss nicht in Abrede stellen. Dennoch hakt er gemeinsam mit seinen Fraktionskollegen mit einer Landtagsanfrage bei Landesrat Mussner nach. Denn, anders als Tommasini, vermisst man die Transparenz, “die die Vergabe einer so wichtigen Position erfordert”, betonen die Grünen.

 

Kein Vorbild an Transparenz?

Zunächst sei der Wettbewerb erst drei Monate nach Einreichfrist der Bewerbungen Ende März abgewickelt worden, verweist Heiss. Zweitens sei das Ausschreibungsdekret zwischen Februar und Juni abgeändert worden – wobei von jenem vom 20. Mai jegliche Spur fehlt. Dazu kommt, das aus zuverlässigen Kreisen zu vernehmen ist, dass bei der diesjährigen Ausschreibung zwei Bewerber ausgeschlossen worden seien, die noch 2014 – jenem Jahr als Waltraud Kofler-Engl das Rennen um die Stelle des Landeskorvators machte – zugelassen wurden.
Und schließlich werfe auch der Studientitel der Siegerin “einige Fragen auf”, meint Heiss. Er hat einen Blick in den offiziellen Lebenslauf geworfen, den alle Führungskräfte des Landes im Sinne der Transparenzbestimmungen öffentlich machen müssen. Laut diesem habe Karin Dalla Torre “einen Mag.phil. an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck und einen Dr.phil. an derselben Universität im Fach ‘Neuere Deutsche Literatur’ erworben”.

“Das Auswahlverfahren sieht jedoch vor, Bewerber**innen sollten verfügen über ‘mindestens ein Laureatsdiplom nach der alten Studienordnung in ‘architettura’ oder ‘storia e conservazione dei beni architettonici e ambientali’, ‘storia dell’arte’ oder eines gleichgestellten oder gleichwertigen Diploms beziehungsweise über ein Fachlaureatsdiplom oder über den Titel Hochschulmaster ersten Grades in Fachrichtungen der vorgenannten Studienzweige’”, zitiert Heiss aus dem Ausschreibungsdekret Nr. 2729 vom 20. Februar 2018.
Er kommt zum Schluss: “Falls nicht die Erstausschreibung nachträglich geändert wurde, sieht es nicht danach aus, als ob die Siegerin auf den entsprechenden Titel zurückgreifen könnte.”

Die Besetzung der Abteilung Denkmalpflege – “kein Vorbild an Transparenz”, stellt Hans Heiss fest. Auskunft will er von Landesrat Mussner nun über Ablauf und Teilnehmer des Auswahlverfahrens, Aufklärung über die Eignung des Studientitels der Siegerin und den Inhalt des Dekrets des Landeshauptmannes Nr. 8299 vom 20. Mai.
Der weiße Rauch, der nach jahrelanger Vakanz nun aus der Abteilung Denkmalpflege aufsteigt, verleitet zumindest die Grünen nicht zu Freudensprüngen.

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Kommentare

Bild des Benutzers Manfred Klotz

Nichts Persönliches, aber eine Landeskonservatorin, die einen akademischen Grad in "Neuere deutsche Literatur" hat? Nix Geschichte, Kunstgeschichte, Architektur? Donnerwetter, dann bewerbe ich mich doch glatt für die Stelle als Oberarzt in der Kardiochirurgie....

+1-12
Bild des Benutzers Andreas gugger

Aber laut diesem Artikel scheint ja niemand ein Problem damit zu haben, ausser den Grünen natürlich mit Heiss und der Autorin selbst.

Bild des Benutzers 19 amet

Miar sein mir. Wem mir den Posten geben, das entscheiden nur mir. Sie hat nicht einmal Kunstschichte studiert ? Wen interessiert das, Hauptsache es ist kein Walscher. Und so zeigen mir wieder dem Rest Europas: Mir sind einmalig, mir
sein eben mir.

+1-12
Bild des Benutzers alfred frei

Autonomiepolitisch gesehen ist dieser Beschluß kein Meilenstein, eher ein Stolperstein, dem LH Kompatscher die ehrenvolle Aufgabe die Anwendungen der Transparenzbestimmungen im Auswahlverfahren zu überprüfen und von "Beienflussungen" zu befreien. Im Interesse der Sache selbst.

+1-11
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