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Finanzskandal im Vatikan

Mehrere Hundert Millionen an Spendengeldern missbraucht.
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Wie kommt der Vatikan in den Besitz eines 200 Millionen Euro teuren und 17.000 Quadratmeter teueren Palasts am Londoner Sloane square, einem der exklusivsten Orte der Britischen Hauptstadt? Das ist nur eine der vielen offenen Fragen, die der pensionierte römische Oberstaatsanwalt und Mafia-Fahnder Giuseppe Pignatone klären soll. Der letzthin in den Ruhestand   getretene und als hartnäckig bekannte Ermittler wurde in den Kirchenstaat gerufen, um ein undurchsichtiges Geflecht von Finanzjoungleuren im Vatikan zu durchleuchten.

Bei einer Großrazzia in den Palazzi des Kirchenstaats hatten Beamte der vatikanischen Gendarmerie die Büros der ersten Abteilung des vatikanischen Staatssekretariats sowie die Räume der Finanzaufsichtsbehörde AIF durchsucht. Dabei wäre die AIF am Heiligen Stuhl eigentlich für die Bekämpfung von Geldwäscherei und trüben Finanzaktionen zuständig. Bei der Razzia beschlagnahmten die Gendarmen Computer, vertrauliche Akten und Bilanzen.

Fünf wichtige Kurien-Mitarbeiter, darunter AIF- Direktor Tommaso di Ruzza, wurden vom Dienst suspendiert. Ihnen wird Betrug, Korruption, Unterschlagung, Geldwäsche und Amtsmissbrauch vorgeworfen. Di Ruzza ist von Papst Franziskus erst in diesem Jahr zum Direktor ernannt worden, als Nachfolger des Schweizer Anti-Geldwäsche-Spezialisten René Brülhart, der zum Präsidenten der AIF befördert wurde. Vom Dienst suspendiert wurden auch zwei hohe Funktionäre des Staatssekretariats, der wichtigsten Behörde im Kirchenstaat. Laut einer eher dürren Mitteilung des vatikanischen Presseamts sind die Ermittlungen Anfang dieses Sommers eingeleitet worden. Der Hinweis auf die Machenschaften war aus der Vatikanbank IOR gekommen, die selbst nicht den besten Ruf genießt.

In dem Skandal geht es auch um den Missbrauch von Spendengeldern in Höhe von 650 Millionen Euro. Mit  den weltweit von Gläubigen für die Kirche gespendeten Geldern  sollen für undurchsichtige Geschäfte missbraucht worden sein. So sollen 250 Millionen Dollar aus den Vatikan-Kassen in eine Ölplattform vor der Küste Angolas investiert worden sein. Der vatikanische Promotore di Giustizia Gian Piero Milano spricht von “gravi indizi di peculato, truffa, abuso d’ufficio e riciclaggio da parte di prelati e laici influenti.”  Drei Viertel der Vatikan-Gelder sollen auf Konnten des Credit Suisse liegen. Papst Franziskus hat erst vor zwei Wochen 13 neue Kardinäle ernannt, die als absolut loyal gelten.

Bei ihrer Weihe sagte der Papst wörtlich: “Viele illoyale Verhaltensweisen von Kirchenmännern beruhen darauf, dass sie kein Gespür für selbst erhaltenes Mitleid hätten. Zerstörerisch sei eine “Haltung des Wegschauens und der Gleichgültigkeit.” Der fast 83-jährige Papst wird von vielen Problemen geplagt. Das schwierigste und unlösbare ist der dramatisch fehlende Priesternachwuchs. Die Zahl der Seminaristen ist in 10 Jahren um fast 20 Prozent gesunken. Am dramatischsten ist die Lage im Norden der Halbinsel - vor allem im Veneto, wo immer mehr Pfarreien aufgelassen und zu unità parrocchiali  vereint werden. Auch im Trentino ist die Zahl der Priester in 20 Jahren von fast 600 auf 306 gesunken - mit einem Durchschnittsalter von 72.

Südtirol macht keine Ausnahme. Auch hier müssen Pfarrer immer mehr Gläubige betreuen. So ist etwa der Pfarrer von Tramin, Franz Josef Campidell, auch für die Gläubigen in Kurtinig, Margreid, Kurtatsch, Graun, Penon und Fennberg zuständig.

Eines steht fest: der neue Skandal um die massive Veruntreuung der Spendengelder im Vatikan ist nicht dazu angetan, den Schwund der Gläubigen zu verlangsamen.

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Kommentare

Bild des Benutzers Sepp Bacher
Sepp Bacher 18.10.2019, 17:54

Ein Konzern macht nun einmal Rücklagen. In diesem Fall auch in Immobilien in London: eine sicher gewinnbringende Anlagen!
Aber Rohöl braucht der Vatikan sicher nicht. Wo würde er die Raffinerie hinstellen?
Alles Rücklagen und Investitionen, damit der nächste Papst, der dann aus der Kurie kommen wird, als Startkapital braucht - wahrscheinlich für die "Gegenreformation"!

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elisabeth garber 18.10.2019, 18:16

Durch und durch korrupt - so wie eh und je (vielleicht das Urchristentum ausgeschlossen).

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Georg Lechner 18.10.2019, 19:37

Für den Priestermangel gibt es mehrere Ursachen: Zölibat und Gehorsamsverpflichtung lassen schon einmal viele potentielle Kandidaten zurückschrecken und veranlassen einen Teil des Klerus zum Ausscheiden aus dem Dienst. Besonders die Weltpriester leiden an fehlenden Ansprechpartnern für einen geistigen Austausch; in weiterer Folge kommt es entweder zum Burnout oder zu sexuellen Kontakten mit verfügbaren Ansprechpartner(inne)n.
Ein weiteres massives Problemfeld ist die Diskrepanz zwischen dem Gelernten und den Erwartungen der Laien und dem eigenen spirituellen Anspruch.

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Günther Alois Raffeiner 20.10.2019, 07:21

Wer spendet eigentlich diesem KORRUPTEN ,ohnehin Milliardenschwerem Haufen überhaupt noch etwas,wohl nur die BLÖDEN_Sorry!

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