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Katalonien

Der separatistische Halb-Sieg

Die Schlappe für Rajoy kann nicht über die tiefe Spaltung der Katalanen hinwegtäuschen. Madrid muss jetzt verhandeln.
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Kommentare

Bild des Benutzers Harald Knoflach

Treffende Analyse. Nur zwei Dinge:
"Zugleich haben allerdings auch die „spanientreuen“ Unionisten, besonders in den urbanen Zentren, ihre grundtiefe Ablehnung jeder Loslösung vom Gesamtstaat geschlossen behauptet."
In Barcelona beträgt das Verhältnis zwischen Unabhängigkeitsbefürwortern und -gegner 43,97 % zu 45,96 %. Das ist recht knapp. Von "grundtief" würde ich da nicht sprechen. Der leichte Überhang der Unionisten ist wahrscheinlich den vielen zugewanderten Arbeitern aus anderen Teilen Spaniens geschuldet.
"Denn eine weitere Zuspitzung der Krise in Katalonien könnte durchaus den ohnehin allseits spürbaren Anstieg des Nationalismus auch in anderen Teilen des Kontinents beflügeln. "
Das was die Katalanen machen, hat mit klassischem Nationalismus wenig zu tun. Sie vertreten ein inklusives Gesellschaftsmodell - also das Gegenteil. Oder wie es Robert Menasse und Ulrike Guérot ausdrücken: "Die Katalanen sind Europäer, die Nationalisten sitzen in Madrid. Schon die Schotten wurden bei ihrem Unabhängigkeitsreferendum betrogen. Weil ihnen gedroht wurde, dass sie aus der EU fliegen, wenn sie für Unabhängigkeit stimmen, haben sie für „Remain“ gestimmt – dieses „Remain“ galt Europa und nicht Großbritannien. Auch auf der Insel gilt: Die Schotten sind Europäer, die Nationalisten sitzen in London – und die haben mit dem Brexit-Referendum die irrationale und gefährliche Spielart des Nationalismus gezeigt."

+1-11
Bild des Benutzers Christian Mair

Menasse und Guerot werden bei Selbstbestimmungsbefürwortern aus dem liberalen und linken Mileu hierzulande allzuoft genannt. Aber anstatt sich mit den Inhalten von den Utopien und Forderungen der beiden auseinanderzusetzen werden Details gegeneinander aufgewogen, 43,96 vs. 45,96%. Nein, nein das kann keine Spaltung der Gesellschaft sein, denn es ist ja demokratisch und selbstbestimmt.

Menasse und Guerot fordern eine europäische Sozialsicherung, demokratisches Parlament und gemeinsame Fiskalpolitik, um die Differenzen, die der Euro innerhalb Europas verursacht zumindest zu begrenzen. Die Ereignisse werden aus wirtschaftlicher Sicht interpretiert. Unabhängigkeit und Separatismus wird hier im Grunde genommen mit demokratischen Föderalismus verwechselt. Nicht Madrid oder Bozen(?), sondern Brüssel sollte das Zentrum einer europäischen Republik sein.

Bild des Benutzers Martin Daniel

Rajoy hat wahrscheinlich seiner zentralistischen Haltung, die vor seiner Machtergreifung in der Sammlung vo 4 Mio. Unterschriften gegen das neue katalanische Autonomiestatut kulminierte, wahrscheinlich seine politische Karriere zu verdanken. Man kann hoffen, dass es auch deren Ende einleiten möge. Harald hat nämlich recht, der größere Nationalist sitzt in Madrid. Und regiert in Minderheit dank Unterstützung von außen (nach einer kuriosen doppelten Kehrtwende der Sozialisten) und trotz massivster Anschuldigungen der Korruption. Für Europa auch heute nur Interna.

+1-12
Bild des Benutzers alfred frei

Der europäische Einigungsprozess ist gefordert, in der Außenpolitik und in der inneren Entscheidungsstruktur; Macron hat sich mit wichtigen Vorschlägen eingebracht, leider fehlen dabei Überlegungen zum Verhältnis Nationalstaaten – Autonomiebestrebungen. Der Souveränitätsbegriff bedarf sicher einer neuen Definition “die ein ausgewogenes Verhältnis von Autonomie und Gemeinsamkeit zu gewährleisten vermag” (siehe Nationalstaaten und die EU - Unabhängig – und dann ? Frankfurter Allgemeine 22.03.12)

+1-11
Bild des Benutzers Karl Trojer

Diese drei Analysen finde ich sehr treffend. Es bleibt zu hoffen, dass die EU endlich aktiv Konfliktbewältigung anbietet, zumal weder der spanische noch der katalonische Präsident miteinander gesprächsfähig sind. Es gilt eine Lösung zu finden, in der Spanien als staatliche "Infrastruktur" mit individuell, bedarfsgerecht angepassten, autonomen Regionen kooperieren können.

Bild des Benutzers Robert Tam...

Es gilt auf EU-Ebene endlich ergebnisoffen über Selbstbestimmungstendenzen zu diskutieren. Wenn die Katalanen eine autonome Region innerhalb des spanischen Staates bleiben wollen, gut so. Wenn sie ein eigener Staat werden wollen, auch gut.

Die EU sollte sich langsam von der arroganten Vormachtstellung der bestehenden Staaten loslösen. Am Beispiel Schottland zeigt sich, dass die EU stark darunter leidet, wenn man Selbstbestimmungsbefürwortern pauschal mit einem Rauswurf aus der EU droht.

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