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Covid-19

Coronavirus sorgt für Stillstand

Nach zwei negativen Coronavirus-Tests rollt der Zugverkehr zwischen Österreich und Italien wieder an. In Südtirol bleibt die Wachsamkeit hoch.
Von
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Lisa Maria Gasser23.02.2020
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++ Update ++

Die beiden Passagiere, wegen denen am Sonntag Abend der ICE 86 von Venedig nach München am Brenner gestoppt wurde, sind keine Coronavirus-Verdachtsfälle. Gegen 19 Uhr wurde der Zug von den österreichischen Behörden angehalten, da zwei Personen in Verona den Zug zur Kontrolle verlassen haben. Nach einer Untersuchung im Krankenhaus wurde festgestellt, dass die beiden Personen keine Verdachtsfälle für eine Infektion mit dem Corona-Virus waren.

Die Passagiere des ICE 86 standen am Bahnhof Brenner zum Teil auf dem Bahnsteig. Um eine mögliche Kontamination unter den Zugpassagieren zu verhindern, wurden daher die Passagiere eines ebenfalls am Brenner eingefahrenen Regionalzuges ersucht, den Zug nicht zu verlassen, sodass zeitweise die Reisenden beider Züge am Brenner festsaßen. Gegen 23.30 Uhr erhielt der ICE grünes Licht und konnte Richtung Norden weiterfahren.

Über vier Stunden saßen rund 500 Passagiere fest. Ab Montag rollt der Zugverkehr wieder nach Fahrplan über den Brenner.Wer dennoch nicht nach Italien fahren möchte, kann sein ÖBB-Ticket nach Italien mit Gültigkeit 24.02.2020 kostenlos stornieren”, teilt die ÖBB mit.

 

+++

Leere Fußballplätze, abgesagte Messfeiern, kein Karnevalstreiben in Venedig, Modenschauen nur im Live-Stream: So reagiert Norditalien auf die Befürchtung einer raschen Verbreitung des  Coronavirus. In der Lombardei und in Venetien sind bisher drei Menschen an Covid-19 gestorben. So wurde die Krankheit getauft, die von dem Virus “Sars-Cov-2” ausgelöst wird. Es gibt über 150 Infizierte.

Damit liegt Italien weltweit an dritter Stelle der Länder mit den meisten Infizierten – nach China und Südkorea. Wie bzw. wo sich der Virus in Italien erstmals übertragen hat, ist bislang unklar, erklärte Ministerpräsident Giuseppe Conte am Sonntag. Die Suche nach “Patient 0” läuft. Ein Dutzend Gemeinden sind seit dem Wochenende abgeriegelt. Niemand darf rein oder raus – bei Missachtung drohen drei Monate Haft und eine Geldstrafe. Etwa 50.000 Einwohner sind betroffen. Polizei und Carabinieri wurden an allen Einfahrten postiert, notfalls soll auch das Militär eingesetzt werden, kündigte Conte an. In der Lombardei haben die Behörden die Schließung von Pubs, Kinos und Diskotheken verordnet.

 

Geschlossen und gestoppt

 

Wie in fast allen norditalienischen Regionen bleiben auch in Südtirol die Bildungseinrichtungen kommende Woche geschlossen. Am Sonntag hat Landeshauptmann Arno Kompatscher die entsprechende Notverordnung unterzeichnet. Alle öffentlichen und privaten Einrichtungen der Kleinkindbetreuung (Kinderhorte, Kindertagesstätten, Betriebskindertagessstätten) bleiben ab Montag, 24. Februar bis inklusive Sonntag, 1. März geschlossen. Für den selben Zeitraum wird auch die Unterrichtstätigkeit an der Freien Universität Bozen, der Landesfachhochschule für Gesundheitsberufe “Claudiana” sowie des Konservatoriums “Monteverdi” ausgesetzt. Die übrigen Bildungseinrichtungen – Kindergarten, Grund-, Mittel-, Ober-, Fachschulen sind wegen der Faschingsferien geschlossen.

Auch im Trentino bleibt die Universität für eine Woche zu, Kinderbetreuungsstätten bis mindestens Dienstag. Am Sonntag Nachmittag wurden drei Fälle von Coronavirus-Infizierten im Trentino bekannt. Die drei Personen stammen aus der Lombardei – sie waren auf Urlaub im Trentino – und wurden inzwischen auf eigenen Wunsch in ihre Heimatgemeinde verlegt.

Am Sonntag Abend wurde an der Brennergrenze ein Eurocity-Zug angehalten, weil sich zwei Coronavirus-Verdachtsfälle an Bord befanden. Österreichische Medien berichten, dass die italienische Staatsbahn FS die Österreichischen Bundesbahnen vorgewarnt hatte. Der Fernzugverkehr wurde zwischen Steinach und Brenner eingestellt. “Wegen einer behördlichen Sperre sind zwischen Steinach am Brenner und Brennero/Brenner derzeit keine Fahrten möglich”, teilt die ÖBB mit. Die Züge warten die Sperre in Innsbruck bzw. am Brenner ab. Schienenersatzverkehr gibt es keinen. Nur für die S-Bahnen und Regionalzüge gibt es einen Ersatzverkehr zwischen Steinach und Gries am Brenner, teilt die ÖBB mit. Am späten Sonntag Abend wurde bekannt, dass Österreich den Zugverkehr mit Italien am Brenner gestoppt hat. Wie lange der Bahnverkehr ausgesetzt bleibt, ist laut einem ÖBB-Sprecher noch nicht klar. Die ÖBB werde in Absprache mit den italienischen Staatsbahnen über das weitere Vorgehen entscheiden.

 

Wachsamkeit bleibt hoch

 

Nicht alle Experten halten die Maßnahmen für gerechtfertigt. Für manche sind sie übertrieben. Die zuständige Leiterin eines Mailänder Krankenhauses spricht von einem “Wahnsinn”. Eine Infektion, die “gerade etwas ernster als eine Grippe” sei, werde mit einer “tödlichen Pandemie” verwechselt. Den wenigen Coronavirus-Toten stünden 217 Menschen gegenüber, die an einem Grippevirus verstorben seien. Dennoch bleibt auch in Südtirol die Wachsamkeit hoch. Am Sonntag Nachmittag hat eine Dringlichkeitssitzung einer Delegation des Südtiroler Sanitätsbetriebes und des Zivilschutzes mit Vertretern des Trentiner Gesundheitsressort, des Sanitätsbetriebes und des Zivilschutzes stattgefunden.
 
“Ziel war es, eine enge Abstimmung aller Maßnahmen zu besprechen, um über eine einheitliche Vorgangsweise zu verfügen, sollte es in Zukunft in der Region Covid-2019-Infektionsfälle geben. Weiters werden auf technischer Ebene Empfehlungen für Entscheidungen auf politischer Ebene ausgearbeitet”,
teilt der Sanitätsbetrieb mit.
 
In der Zwischenzeit liegen die Ergebnisse der zweiten Tests der drei am Samstag aufgenommenen Patienten vor. Auch diese Kontrolltests sind negativ ausgefallen.

Zur Stunde wurden für einen weiteren Patienten die Untersuchungen angeordnet.
 
Der Südtiroler Sanitätsbetrieb steht in dauernden Austausch mit dem Gesundheitsministerium in Rom und folgt streng den Leitlinien des Krisenzentrums in Rom. “Wir überwachen die Situation ständig und kontinuierlich und halten uns strikt an die Leitlinien und Rundschreiben des Gesundheitsministeriums, betont Pierpaolo Bertoli, geschäftsführender Sanitätsdirektor: “Sollten neue Maßnahmen beschlossen werden, werden diese unverzüglich auch in Südtirol umgesetzt.” Für Montag ist ein Treffen mit dem Zivilschutz und den Ordnungskräften im Regierungskommissariat angesetzt, um Infos auszutauschen und sich präventiv abzustimmen. 

Der wichtigste Hinweis an die Bevölkerung ist derzeit, dass Menschen mit grippeähnlichen Symptomen gebeten werden, mit dem Hausarzt telefonischen Kontakt aufzunehmen, anstatt direkt ins Ambulatorium oder in die Notaufnahme zu gehen. Weiters wird angeraten, die allgemeinen Hygienerichtlinien zur Infektionsvorbeugung zu beachten. Das Gesundheitsministerium hat diesbezüglich folgenden “10-Punkte-Katalog” übermittelt:

  1. Häufiges Händewaschen
  2. Den nahen Kontakt mit Personen, die an akuten Atemwegsinfekten leiden, meiden
  3. Nicht mit den Händen in die Augen, Nase, oder Mund fassen
  4. Mund und Nase bei Niesen oder Husten bedecken
  5. Keine antiviralen oder antibiotischen Medikamente ohne ärztliche Verschreibung einnehmen
  6. Oberflächen mit Desinfektionslösungen auf Chlor- oder Alkoholbasis reinigen
  7. Eine Maske nur dann tragen, wenn der Verdacht auf eine Erkrankung besteht oder erkrankte Personen gepflegt werden
  8. Produkte “made in China” und Pakete aus China sind nicht gefährlich
  9. Im Falle von Fieber oder Husten nach einem Aufenthalt in China, der weniger als 14 Tage her ist, kann die grüne Nummer 1500 angerufen werden
  10. Haustiere verbreiten das Coronavirus nicht

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Kommentare

Bild des Benutzers Rufer Peter (gesperrt)
Rufer Peter (gesperrt) 24.02.2020, 11:23

In dieser sich entwickelnden Pandemie zeigt sich das ganze Ausmass der zu grossen unheilvollen Abhängigkeit von China. Denn gerade von dort gehen viele Pandemien aus, insbesondere aufgrund der der hohen Bevölkerungsdichte in Chinas Grossstädten, angefacht durch sehr viel höhere Mobilität innerhalb Chinas durch Schnellzüge und Inlandsflüge und ein Gesundheitswesen das hinterherhinkt.

Eine Infektion, die “gerade etwas ernster als eine Grippe” ist wird mit einer tödlichen Pandemie verwechselt und China gerät wieder in die internationalen Schlagzeilen. Ein Virus greift um sich, das im Vergleich zu Ebola oder anderen tödlichen Viruserkrankungen relativ ungefährlich ist.
Wer nicht in Angst verfallen will oder lachen möchte, kann sich das Video anschauen: https://www.youtube.com/watch?v=rqhnZwgElH4

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Peter Gasser 24.02.2020, 19:19

... das meinen Sie jetzt aber nicht ernst?

Doch, Faktenlage ist klar, Wissenschaft eindeutig.

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Peter Gasser 25.02.2020, 15:29

Grippe: Grippe ist erforscht, die meisten haben Antikörper, viele sind geimpft, Impfstoffe sind vorhanden. Verbreitungswege bekannt.
.
Corona: nix ist erforscht, niemand hat Antikörper, niemand ist geimpft, es gibt keinen Impfstoff. Verbreitungswege unsicher.

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Sepp Bacher 24.02.2020, 16:02

In diesem Beitrag befinden sich veraltete Informationen und Widersprüche: Zu Beginn wird berichtet, dass das Problem am Brenner inzwischen wieder gelöst sei und warum der ICE 86 so lange angehalten wurde und dass die Verdachtspersonen schon in Verona den Zug verlassen hatten.
Weiter unten steht dann: "...weil sich (am Brenner?) zwei Coronavirus-Verdachtsfälle an Bord befanden." In der Folge wird dann geschrieben: "Am späten Sonntag Abend wurde bekannt, dass Österreich den Zugverkehr mit Italien am Brenner gestoppt hat. Wie lange der Bahnverkehr ausgesetzt bleibt, ist laut einem ÖBB-Sprecher noch nicht klar."

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Rufer Peter (gesperrt) 25.02.2020, 12:33

Dieser Virus ist vermutlich schon viel länger in der freien Wildbahn unterwegs, als es bislang offiziell bestätigt wurde. Somit ist der Virus schon fein über den Erdball verteilt worden und man wird noch staunen, wo überall lokale Epizentren der Erkrankung entstehen werden. Das ist erst der Anfang.

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Peter Gasser 25.02.2020, 13:26

Ihr Beitrag ist „vermutlich“ in Blick in die Glaskugel - und man kann Ihnen glauben, oder auch nicht.
Vermutung & Behauptung.

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