Enziane
Othmar Seehauser
Advertisement
Advertisement
Gülle

Blau verblüht der Enzian

Die schwindende Farbenpracht auf Südtirols Bergwiesen und eine ihrer Meinung nach zu wenig konsequente Landesregierung rufen die Grünen auf den Plan.
Advertisement
Advertisement

“Für die Seiser Alm wurde berechnet, daß (…) heute während des Bergsommers ca. 50-100 Millionen Alpenblumen und mindestens sechs Millionen Enziane weniger blühen als noch vor 30 Jahren.” Zu diesem Schluss kamen Forscher der Universität Innsbruck vor über drei Jahrzehnten. In den 1980er Jahren forschten sie “zur vegetationsökologischen Aufbereitung aktueller Naturschutzprobleme im Hochgebirge”. Der Grund für die verschwundene Vielfalt und Farbenpracht: die intensivierte Düngung der Bergwiesen.

Nun berufen sich die Südtiroler Grünen auf diese Untersuchung, um die Landesregierung aufzufordern, “den Artenschutz endlich ernst zu nehmen und ehrlichen Naturschutz zu betreiben”.

“Mist- und Gülledüngung auf Bergwiesen haben in den vergangenen Jahrzehnten in Südtirol zu einem massiven Verlust an Pflanzen- und Tierarten geführt, weil diese Lebensräume den üppigen Nährstoffeintrag nicht verdauen können und veröden”, halten die Grünen in einer Aussendung fest. Ehemalige Blumenparadiese bzws. einstige artenreiche Bergwiesen wie jene auf der Seiser Alm oder dem Salten seien inzwischen “zu Löwenzahnfluren degeneriert”.

 

Bagatellisierte Zerstörung?

 

“Bevor alle Enziane aus Südtirols Bergwiesen verschwinden, braucht es dringend und radikal die Ökowende”, fordert Hanspeter Staffler stellvertretend für die Grünen Landtagsabgeordneten, die als aktuelles Beispiel den jüngst von der Umweltschutzgruppe Vinschgau aufgezeigten Fall der Arlui-Wiesen in Graun im Vinschgau heranziehen.

Die artenreiche Bergwiese, auf der geschützte Pflanzenarten vorkommen, werde intensiv gedüngt, so der Vorwurf, den der Südtiroler Bauernbund mithilfe des Beratungsrings Berglandwirtschaft BRING versuchte, zu entkräften. Grüne und Umweltschützer verbreiten unnötig Alarmstimmung, so die Position des Bauernbundes. Die Vinschger Umweltschützer konterten mit einer Gegendarstellung und meinten: “Es kann nicht sein, dass die Politik von ‘Ökologisierung der Landwirtschaft’ und ‘Südtirol, Land der Artenvielfalt’ spricht, auf der anderen Seite aber die Intensivierung in den Berggebieten ungehemmt weiterläuft”.
In dieselbe Kerbe schlagen die Grünen. Sie kritisieren, dass SBB und BRING die Düngung von artenreichen Bergwiesen “wie eh und je bagatellisieren und durch Zahlenjonglieren versuchen, diese zerstörerische Praxis zu rechtfertigen”.

 

“Prämienrückzahlung zu wenig”

 

“Eine wiederholte Düngung mit unverdünnter Gülle hat negative Auswirkungen auf die Artenvielfalt von Bergwiesen. Flächen, für die Landschaftspflegeprämien gewährt werden, dürfen nicht mit Gülle, sondern lediglich mit gut verrottetem Stallmist gedüngt werden.” Das hält die Landesrätin Maria Hochgruber Kuenzer in ihrer Antwort auf die Anfrage fest, die die Grünen zu den Arlui-Wiesen eingereicht haben.

Sollte sich herausstellen, dass die Gülleausbringung auf einer der Flächen, für die – zum Schutz der noch artenreichen Bergwiesen – Landschaftsprämien ausbezahlt werden, müsse sie der Bauer zurückzahlen. “Dies ist von der gebietsmäßig zuständigen Forststation zu überprüfen”, so Hochgruber Kuenzer.

“Das ist das allermindeste, reicht aber bei Weitem nicht aus”, kommentieren die Grünen. Denn artenreiche Bergwiesen seien durch das Naturschutzgesetz von 2010 vollkommen geschützt – “unabhängig davon ob der Grundbesitzer um eine Landschaftspflegeprämie angesucht hat oder nicht”. Sie fordern daher: die Landesregierung auf, “endlich das Naturschutzgesetz umzusetzen, um die noch vorhandenen artenreichen Bergwiesen zu schützen”.

Advertisement

Weitere Artikel zum Thema...

arluiwiesen_graun_stark_gedungt_1.jpg
Umweltschutzgruppe Vinschgau

Landwirtschaft

Stinkende Tatsachen

Kommentar schreiben

Kommentare

Bild des Benutzers Sepp Bacher
Sepp Bacher 23.09.2019, 18:06

Die Seiser Alm gehört doch zum Naturpark Schlern - Rosengarten. Sind dort keine Einschränkungen für die Bauern vorgesehen? Oder nur für die Besucher?
Ein ähnliches Thema/Problem gibt es anscheinend sogar im Nationalpark, wo die Bauern auch ohne Einschränkung wirtschaften möchten!

Advertisement
Advertisement
Advertisement