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Natur und Klima

Milch, Mist und der brennende Regenwald

Landnutzung: Wie wir unseren Beitrag gegen die Brandrodung des Regenwalds, für Klimaschutz und für mehr alpine Artenvielfalt leisten können.
Community-Beitrag von Pascal Vullo24.08.2019
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Gerade erst hat der IPCC Klima-Wissenschaftsrat seinen Sonderbericht über die Zusammenhänge zwischen Landnutzung und Klimawandel veröffentlicht. Dieser urteilt, dass etwa 23% der Emissionen von Klimagasen auf Land- und Forstwirtschaft zurückzuführen sind, schon überschatten Meldungen über den brennenden Amazonas-Regenwald die Schlagzeilen.

Außerdem wissen tatsächlich viele europäische Bauern nicht mehr wohin mit dem Mist. Das trifft ganz besondes auf Gebiete zu mit großindustrieller Massentierhaltung, wie beispielsweise in Norddeutschland. Vielleicht war es nur ein Einzelfall, doch Gülleüberschuss könnte auch in Südtirol ein Grund dafür gewesen sein, weshalb er auf artenreichen Magerwiesen bei Graun gelandet ist, wobei Überdüngung zum Verlust von Artenvielfalt führt.

Was hat das eine mit dem anderen zu tun?

Südtirol ist von Milchviehwirtschaft geprägt. Doch während wir das Bild von auf den Bergalmen weidenden und Bergkräuter fressenden, glücklichen Kühe kennen, so wissen wir vielleicht nicht, dass laut einer Eurac Studie auch in Südtirol etwas weniger als die Hälfte des Futters zugekauft wird, darunter auch Kraftfutter aus proteinreichem Soja, das häufig aus Südamerika stammt. Unter anderem für dessen industriellen Anbau setzen Bauern in Brasilien gerade wieder massiv den Regenwald im Amazonasgebiet in Brand.

Dabei steht die Südtiroler Milch im Vergleich noch gut da, „der italienische Alpenraum produziert nicht genug Futtermittel für die vielen Nutztiere. Daher werden rund 75 Prozent an Futtermitteln dazugekauft. 70 Prozent davon sind durch Getreide aus Europa gedeckt, 30 Prozent werden aus Süd- und Mittelamerika, den USA oder Australien importiert, was mit langen Transportwegen und zusätzlichen Emissionen einhergeht“, so ein Autor der Eurac Studie.

Das "Mercosur" Handelsabkommen, welches gerade verhandelt wird, soll Importe von Soja oder Fleisch von Südamerika nach Europa weiter erleichtern.

Der Regenwald brennt auch für Fleisch und Milch in Europa

Der Amazonas-Regenwald ist eines der wertvollsten Ökosysteme unserer Erde und gleichzeitig eine enorme CO2 Senke. Durch dessen Verlust beschleunigt sich der Klimawandel weiter.

Gleichzeitig verursacht der Import von Nährstoffen lokal eine überhöhte Menge an anfallendem Mist und Gülle und stört so einen natürlichen Nährstoffkreislauf.

Durch die dadurch mögliche Uberdüngung von Wiesen verschwinden seltene Kräuter, die an nährstoffarmen Boden angepasst sind. Sie führt zudem zu erhöhten, gesundheitsschädlichen Nitratwerten im Grundwasser, zu klimaschädlichen Emissionen von Methan und Lachgas und zur erhöhten Freisetzung von Ammoniak, der gesundheitsschädliches Feinstaub erzeugt und - gelinde gesagt - sehr unangenehm riecht.

Was kann man tun?

Durch die Beschränkung der Zahl der gehaltenen Tiere und gezielte Verarbeitung, Lagerung, Transport und Ausbringung von Gülle durch die Bauern können Emissionen verringert werden.

Die Südtiroler Milchhöfe haben dazu die flächenbezogene Milchproduktion eingeführt, bei der pro Fläche Grasland nur eine bestimmte Zahl von Tieren gehalten werden kann. Dies schränkt die Zufütterung ein und senkt die Belastung durch überschüssige Gülle und Mist. Für einige Bauern bedeutete das eine Umstellung. Die Milchhöfe haben allerdings auch verstanden, dass sie nicht über Quantität, sondern viel besser über Qualität am Markt bestehen können.

Eine Maßnahme sind innovative Methoden zur Weiterverarbeitung von Gülle und zur schonenden Ausbringung von organischem Material direkt in den Unterboden. Diese werden in Südtirol an einigen Orten schon angewandt.

Das Mercosur Handelsabkommen mit Südamerika müssen wir dringend überdenken. Die Erleichterung des Imports von Soja und Fleisch nach Europa macht Brandrodung und Ausbeutung des Regenwaldes noch profitabler.

Wir alle können bewusster konsumieren, Fleischkonsum reduzieren, auf lokale, südtiroler Heumilch umsteigen, bei der die die Zufütterung minimiert wird, außerdem Produkte aus Palmöl meiden, die Qualität von Lebensmitteln in den Mittelpunkt stellen und deren Verschwendung bekämpfen.

Wir alle können bewusster konsumieren, den Fleischkonsum reduzieren, die Qualität von Lebensmitteln in den Mittelpunkt stellen und deren Verschwendung bekämpfen

Und so fängt Klima- und Artenschutz und die Rettung des Regenwaldes auch bei unseren Bauern und auf unseren Tellern an.

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Kommentare

Bild des Benutzers Sepp Bacher
Sepp Bacher 29.08.2019, 20:59

Trotzdem, dass ich den Beitrag sehr gut finde, erlaube ich mir einige Bemerkungen:
"Südtirol ist von Milchviehwirtschaft geprägt. Doch während wir das Bild von auf den Bergalmen weidenden und Bergkräuter fressenden, glücklichen Kühe kennen, so wissen wir vielleicht nicht,......." und "...auf lokale, südtiroler Heumilch umsteigen,...". Meines Wissens, bekommen südtirols Milchkühe vorwiegend das ganze Jahr Trockenfutter (Heu) und Kraftfutter. Gute Milch und Milchprodukte kommen aber von Weidewirtschaft und vom Grünfutter, das man heute nicht mehr kennt. Zu meiner Jugendzeit kamen Kühe oft schon im Frühjahr und im Herbst auf die Weide und im Sommer erhielten sie Grünfutter (Gros oder Klea richten, hieß die tägliche Arbeit). Mehrere Bauern hatten auch ein Hofweide für den Sommer. Die Milch und Milchprodukte waren gelb und hatten einen kräftigeren Geschmack. Und ist/sind sogar gesünder, denn sie haben eine günstigere Fettsäuren-Zusammensetzung! Eine erfahrene Bergbäuerin, die im Sommer immer auf der Alm war, hat behauptet, dass sie im Sommer keine Probleme mit dem Cholesterin habe. Aber leider ist der %-Anteil an Almmilch sehr, sehr gering. Und die Butter ist auch im Sommer nicht mehr gelb! Schade! Die Qualität sinkt und die Preise steigen für den Konsumenten, weil die Großmolkereien viel Geld für Marke und Werbung ausgeben, um uns glauben zu lassen, die Produkte werden immer besser. Siehe Heumilch: nichts Besonderes, die natürlichste Form der Milch - dazu braucht es wirklich keine Marke!

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