Politik | Aus dem Blog von Martin Geier

Strategien nach dem Verlust eines Duellanten

Dem Duell Theiner-Kompatscher ist ein wichtiger Teilnehmer abhanden gekommen - Niemand weniger als der amtierende Parteiobmann. Was nun innerhalb der SVP und wird es für die Opposition dadurch leichter? Versuch einer Antwort.
Hinweis: Dieser Artikel ist ein Beitrag der Community und spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung der SALTO-Redaktion wider.

Denken wir mal an Plan B - nur so mal als Gedankenspiel. Das "Duell der Giganten" als großen Reiz haben die SVP und ihre obersten Strategen nun verloren, gleichzeitig ist ihr aber auch die parteiinterne Zerreißprobe, mit eventuellem Rücktritt des Obmanns, erspart geblieben. Die Opposition bekommt zu ihrem Leidwesen den schwierigen Gegner Kompatscher (meines Wissens hat Pius Leitner in einem Streitgespräch der Südtiroler Tageszeitung mit Klaus Runer wissen lassen, dass den Freiheitlichen Theiner als Gegner lieber wäre). Der junge Spitzenkandidat der SVP lässt die Oppositionsgeronten und Gerontinnen ziemlich alt aussehen, genauso alt wie ihre Losungen die teilweise seit Jahrzehnten die gleichen sind.

Politische Häutung
Den 'Theinerianern' und den Vinschgern bleibt ihr Kandidat erhalten und im Herbst haben Bürger wie Fans immer noch die Möglichkeit per Vorzugsstimme den Ihren in eine gute Position zu bringen. Die Partei verliert das große Duell, dass seit dem Antreten von Elmar Pichler Rolle ein Dreikampf hätte werden sollen, aber für die Opposition wird es dadurch nicht leichter. Ein weiteres Risiko bleibt der SVP ebenfalls erspart: Arno Kompatscher ist von der Sel-Geschichte vollkommen unberührt und eventuelle negative Neuigkeiten Enthüllungen würden den nun wohl bereits feststehenden Kandidaten Arno Kompatscher nicht treffen. Aus Sicht der Brennerstraße ist es quasi eine politische Häutung.

Schwächelnde Opposition
Manchmal erinnert es mich an die 80er Jahre: Der Opposition gelingt es nicht, die Themenvorherrschaft zu übernehmen und sie beschäftigt sich lieber mit dem Kommentieren der Vorgänge innerhalb der Mehrheitspartei. Die Opposition mag jetzt heute und morgen per Presseaussendung jubeln, ein Erfolg im Herbst kann aber nur durch Rückerorberung der Themen vonstatten gehen und da sehe ich derzeit wenig Anzeichen. Gerade die Freiheitlichen scheinen mir in letzter Zeit kein Fettnäpfchen auszulassen. Die üblichen (sezessionistischen) Themen scheinen trotz aller autonomistischen Mißerfolge und Affären der SVP und trotz der, seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, härtesten und schwersten Krise Italiens nur mehr den eigenen harten Kern zu erreichen. Warum ist das so? 
Erfolg kann aber nur der haben der imstande ist, seine Themen zu erweitern, ohne den eigenen Kern aus den Augen zu verlieren. Das Rennen die SVP 'alt' aussehen zu lassen haben sie bereits heute verloren.

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Sebastian Felderer Mi., 03.04.2013 - 21:39

Wenn der Martin Geier nicht zufällig ein Doppelgänger vom Martin ist, den ich kenne, dann darf ich es so formulieren: Ich lese und bewundere dich, wie du deine Partei verteidigst. Es ist derzeit wirklich nicht leicht, die SVP zu verteidigen. Wäre ich Anwalt der SVP, würde ich das Mandat sofort zurücklegen. Was mich an deinen Ausführungen stört, ist die Tatsache, dass du dauernd die Opposition hernimmst und Vergleiche ziehst. Darum geht es derzeit nicht. Derzeit beschäftigen wir uns mit den Spielchen in der "noch" Mehrheitspartei. Und das ist wichtig. Wären die Skandale bei der Opposition, würden wir uns damit beschäftigen. Mach tapfer so weiter, Martin, aber bleib am Tatort und schwirre nicht in der Gegend herum. Bitte!

Mi., 03.04.2013 - 21:39 Permalink
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Martin Geier Mi., 03.04.2013 - 21:54

Antwort auf von Sebastian Felderer

Nein; nicht 'meine Partei'; ich bin auch sicher nicht der den Du kennst; gibt ja nicht Wenige meines Namens. Wenn Du es genauer betrachten würdest ist es ja gerade die Opposition(gerade auch jene Partei die sich 'Deinen' Freistaat auf die Fahne geschrieben hat) die sich lieber mit der Mehrheitspartei und ihren Basiswahlen als mit den eigenen Themen beschäftigt: Mit einer Frage solltest Du Dich beschäftigen; die SVP hat der Opposition eine Affäre und einen Skandal nach dem anderen serviert(sie jetzt alle aufzuzählen würde den Kommentarrahmen sprengen). Wieso ist sie außerstande daraus etwas zu machen und Vorteile zu ziehen?

PS:
Ein interessanter Artikel: Blauer Rauch
"Trotz der vielen Polit-Skandale und des unaufhaltsamen Selbstzerfleischungsprozesses innerhalb der SVP seien die Südtiroler Freiheitlichen zwar unangefochten die zweitstärkste Partei im Lande, aber sie schafften es nicht, das Grundvertrauen der Menschen in Südtirol zu gewinnen – weil sie es sich nicht verdienen?"
http://www.tageszeitung.it/2013/03/11/blauer-rauch/

Mi., 03.04.2013 - 21:54 Permalink
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Martin Geier Mi., 03.04.2013 - 23:12

Antwort auf von Sebastian Felderer

Zuletzt; wir politische Kommentatoren ziehen dauernd Vergleiche, das liegt in der Natur der Sache; politisch kommt man als weißes Blatt zur Welt; geprägt werden wir aber dann auch von unserer Umgebung, unserem sozialen Umfeld. Am Ende entsteht eine eigene Meinung; wir haben Verschiedene, belassen wir es dabei und erkennen es an.

Mi., 03.04.2013 - 23:12 Permalink
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Sebastian Felderer Do., 04.04.2013 - 05:14

Antwort auf von Martin Geier

Herr Geier, nehmen Sie mir meine falsche Vermutung, Sie zu kennen, nicht übel. Hatte mich ja schon mit der gleichen politischen Ausbildung dahin geäußert, Sie zu kennen. Dort ging es um die Vorbereitung auf die Gemeindewahlen von 1995.

Ich bin mit beiden Feststellungen einverstanden, sei es was die Freiheitlichen betrifft und noch mehr mit der über die eigene Meinung. Erkenne ich uneingeschränkt an.

Do., 04.04.2013 - 05:14 Permalink