ff 39

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Medien

Liebe ff

Im Leitartikel “Das Gespenst Euregio” trägt Georg Mair die Provinzialität einer Provinzzeitschrift zur Schau. Und ist auch noch stolz darauf.
Colonna di
Ritratto di Benno Kusstatscher
Benno Kusstatscher26.09.2015
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Liebe ff, deine Aufgabe ist es, deine Leser zu informieren, zu bilden. Wenn du hönisch frägst, ob denn deine Leserinnen wüssten, wie die Landeshauptleute von Tirol und Trentino hießen, dann machst du nichts anderes, als auf dein eigenes Versagen hinzuweisen. Ihr, die ihr immer so tut, als wären Mezzocorona und Arnbach tiefstes Ausland. Sollte sich einmal Berichterstattung aus Schmirn oder aus La Plié in eure Hände verirren, ich möchte wetten, dass die versammelte Redaktion Google Maps anwerfen müsste, um sie geographisch einordnen zu können. Bei der Kennst-Du-Deine-Heimat-Quiz-Frage, welches Gewässer in Richtung Südtirol fließt, würde euch nie und nimmer der Rambach einfallen. So schätze ich dich, liebe ff, so schätze ich dich als sonst dich schätzender Leser ein.

Wir kennen deine Geschichte. In politisch weit schwierigeren Zeiten wurdest du uns geschenkt, um endlich das oft missbrauchte Informationsmonopol in diesem Land zu brechen. Vielleicht habe ich mich deswegen noch nicht laut genug bei dir bedankt. Wie schwierig es war, Leute zu finden, die es wagten, gegen den Weinberg ihr Gesicht zu zeigen. Wie ehrenwert jene, die dich dafür finanzierten. Aus dem limitierten Budget hast du viel gemacht und stets der einen Aufgabe gedient, dem Südtiroler Informationsmonopol Parole zu bieten. Aus dieser Logik heraus ist es durchaus verständlich, dass du dich von Anfang an komplett auf Südtirol konzentriert hattest, weit mehr, als das Tagblatt das jemals tat. Aus dem Fokus sind aber Scheuklappen geworden, und du hast dir und deinen Leserinnen einen goldenen Käfig gebaut. Es schaudert mich, wie puddelwohl du dich darin fühlst. Mittlerweile hat deine Inzuchtperspektive bereits die zweite Lesergeneration versaut, wirkt gar bis nach Rom, wo wenig FLORierende Blüten diese Eindimensionalität eures „Welt“-Bilds regelmäßig bestätigen.

Dass es dir nicht unerträglich wird, welche Parallelen du damit zum patriotischen Lager der Freistaat-„Visionäre“ ziehst. Dass dir noch nie aufgefallen ist, dass letztendlich auch du der Humus bist, auf dem jene Südtiroler Selbstzufriedenheit gedeiht.

Du scheinst zu wissen (woher bitte?), dass die Südtiroler mehr nach München und Mailand schauen, als nach Innsbruck oder Trient. Na Gott sei Dank orientieren auch wir Provinzler uns ab und zu an den Metropolen. Wie soll man bitte etwa Interesse an einer Skiweltmeisterschaft samt zugehörigem Flughafen in Cortina (für dich, das liegt im Boitetal) entwickeln, wenn keine Sau darüber informiert? Die Valdastico Nord? Das Kraftwerk im Kaunertal? In dieser Wechselwirkung zwischen Interesse und Information liegt Verantwortung. Auch deine. Wenn sich ein Land abkapselt, dann hat das auch seine medialen Ursachen. Dein lästernder Hinweis auf das ‚k‘ der Nordtiroler spricht übrigens Bände über das Freitzeit-und-Fernsehen-Magazin, sagt aber kaum etwas über die Südtiroler Seelen.

Man muss sich schon ganz im Keller der gestalterischen Visionärspyramide befinden, wenn man überregionale Zusammenarbeit als „von oben installiert“ empfindet. Man muss den EVTZ als solchen ja nicht mögen, aber es ist bei dir mit der Region TAA, mit der Makroregion EUSALP, der Alpenkonvention, der Arge Alp und wie sie alle heißen nicht anders. Du, Opfer, du müsstest dich richtig anstrengen, dich vielleicht sogar neu erfinden, um diesen Trends Rechnung zu tragen. Lieber bleibst du in deiner Komfortzone und schreibst die Initiativen so schlecht, wie es halt geht.

Du hast natürlich völlig Recht, liebe ff. Ein Fest wie jenes in Hall neulich ist ein ziemlich hilfloses Unterfangen, die Euregio unter die Leute zu bringen. Da darf sich schon ein Mundwinkel leicht nach oben verziehen. Was dieser Euregio fehlt, sind aber nicht offensichtlich bemühte Politiker, ist nicht kulturelle oder wirtschaftliche Zusammenarbeit. Das Wichtigste, das dieser Euregio fehlt, sind Medien, die ab und zu durch die Gitterstäbe des goldenen Käfigs durchzublicken in der Lage sind.

Zum Leitartikel ff, Ausgabe 39 vom 24. September 2015

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Ritratto di Christian Mair
Christian Mair 26 Settembre, 2015 - 12:30
Umso wichtiger der Vorschlag der Südtiroler Freiheit Förderungen für Medien-Beiträge auf die Euregioebene auszuweiten (davon ausgenommen werden sollte natürlich die "schwarze" Chronik).
Ritratto di Benno Kusstatscher
Benno Kusstatscher 26 Settembre, 2015 - 12:35
Ja, der Vorschlag gefällt, ist allerdings irgendwie vom Verdacht überschattet, dass die Förderung Portalen zugute kommen soll, die sich mit "unser tirol" zieren und neben den Rubriken für Nordtirol, Südtirol und Osttirol keinen Platz fürs Trentino finden.
Ritratto di Martin B.
Martin B. 26 Settembre, 2015 - 20:23
Und wenn UT dann Artikel über das Welchtirol integriert, sollten sie dann Förderungen bekommen? Und sollte salto.bz mit südlichen und nördlichen Portalen fusionieren? Gute Fragen, auf jeden Fall ist der Blick und das Wissen um das Geschehen im Umkreis der Provinzgrenzen durch die Medien derzeit rudimentär. Besonders interessant z.B. die Vor-Ort Diskussionen um den Transit im Inntal, Landesenergieaktivitäten in Nordtirol, die demografische Entwicklung im ländlichen Raum im historischen Tirol, ein Vergleich bei den Gesundheitsdiensten, usw. undsofort...
Ritratto di Christian Mair
Christian Mair 26 Settembre, 2015 - 20:30
Alles Antworten auch auf die Krise der Printmedien, allerdings wie oben erwähnt wäre es für einen Qualitätsjournalismus förderlich Bouldevard, "schwarze" und sonstige Chronik von den Förderungen auszunehmen.
Ritratto di Martin B.
Martin B. 26 Settembre, 2015 - 21:26
Stimme der Herausnahme von Förderungen für Inhalte bezüglich Boulevard, Parteiisches (Meinungsmache), usw. zu. Was ist "schwarze" Chronik: Todes-/Unfälle und/oder Todesanzeigen? Und ja: Tageschronik im Sinne von großteils übernommenen Meldungen ist für mich auch nicht förderungswürdig. Sinnvoll wäre wohl zuerst zu definieren was nun förderungswürdig ist, im Sinne von "Euregio-Qualitätsjournalismus".
Ritratto di Benno Kusstatscher
Benno Kusstatscher 26 Settembre, 2015 - 21:11
Auf jeden Fall sollten Förderungen nicht politisch motiviert sein. Gilt auch in diesem Fall. Eine Euregio, die ethnisch markierte Grenzziehung fördert, wäre aber paradox. Siehe: http://www.salto.bz/de/article/15112013/was-ist-das-unser-territorium
Ritratto di Mattia Frizzera
Mattia Frizzera 26 Settembre, 2015 - 19:45
Benno, l'11 aprile 2016 c'è il Dreier Landtag a Trento e tu dovresti appartenerne di diritto per la tua visione euroregionale :-) Ci potremmo dare una grande mano fra Trentino, Alto Adige e Tirolo, perchè viviamo in territori che al di là della storia hanno problemi e questioni sempre più comuni. Nel fondo dell'ff c'è un passaggio che mi sembra abbastanza da ridere. Quando si parla del Trentino e si cita il Mart più grande del Museion, il fatto che si mangia bene e poi si dice che "le case sembrano più povere"... Le case più povere?!?
Ritratto di Benno Kusstatscher
Benno Kusstatscher 26 Settembre, 2015 - 21:07
stai scherzando :-) e poi sarà un Drei-und-ein-paar-zerquetschte-Landtag, osservato non solo dal Vorarlberg ma anche dal Souramont e dal Bellunese intero. (dipende quanto valgono gli osservatori) http://www.consiglio.provincia.tn.it/news/giornale-online/articoli/Pages/201506081845.aspx
Ritratto di Klaus Egger
Klaus Egger 27 Settembre, 2015 - 11:38
Spitz, fundiert, klar, pointiert und stilistisch ein Genuß! Danke Benno für den Spiegel und den Blick über den Tellerrand. Da wird einem selbst erst wieder bewusst wie Klischees sich unbewusst in unseren Köpfen festsetzen.
Ritratto di Thomas Benedikter
Thomas Benedikter 29 Settembre, 2015 - 09:58
Ich hoffe sehr, lieber Benno, die FF druckt dieses beherzte Plädoyer für die EUREGIO, in der nächsten Ausgabe ab. Wenn du das wünschst, vergiss nicht, ihn bis heute mittags der Chefredakteurin zuzuleiten.
Ritratto di Benno Kusstatscher
Benno Kusstatscher 29 Settembre, 2015 - 23:27
Derweil bin ich wunschlos, lieber Thomas, aber bei Bedarf steht der Text zur weiteren Verwendung zur Verfügung, eh klor.
Ritratto di Alfonse Zanardi
Alfonse Zanardi 30 Settembre, 2015 - 10:13
Ein wichtiges Element wird im Artikel genannt: dass nämlich die Fernseh- und Freizeit-Illustrierte jahrzehntelang von einer Bozner Kaufmannsfamilie durchgefüttert wurde, was eine unschätzbare Leistung war und ist. Dass nun diese ff bei jeder Gelegenheit einem neuen Medium wie Salto (das ohne solch potenten Förderer auskommt) lächerliche Verluste vorrechnet passt zum mittlerweile kleinlich-peinlichen (und vermutlich schweizerischen) Charakter dieses Blattes. Die ff mag schwarze Zahlen schreiben, aber was hilft's wenn man publizistisch auf den Bankrott zu-dilettiert?
Ritratto di Georg Schedereit
Georg Schedereit 1 Ottobre, 2015 - 01:27
Mit Gruß aus einer anderen lehrreichen Europaregion (Straßburg/Kehl). Es gibt ja auch noch andere mehrsprachige Europa- und Weltregionen jenseits des eigenen Bauchnabels: im Norden, Westen, Osten und ja, sogar im Süden...
Ritratto di Benno Kusstatscher
Benno Kusstatscher 1 Ottobre, 2015 - 08:58
Grüße auch. Ein Vergleich wäre sicher interessant: Berichten dortzulande die Medien euregioweit?
Ritratto di ferdinand tessadri
ferdinand tessadri 4 Ottobre, 2015 - 00:32
Wen interessiert in Südtirol was in Nordtirol oder dem Trentino passiert ? Fragen Sie die Leute auf der Strasse und Sie werden entgeisterte Blicke ernten. Beim Südtiroler endet die Welt meistens an seiner Gemeindegrenze, die vom nächsten Dorf werden mit einem abwertenden Wort tituliert. Bestimmt endet seine Welt aber in Salurn und am Brenner. So ist es und da können die Politiker noch so viel Sonntagsreden halten.
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