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Gastbeitrag

Stimme aus dem Chor

Der langjährige Vizebürgermeister von St. Ulrich, Georg Moroder, schrieb vor Jahren an den damaligen österreichischen Bundespräsidenten einen Brief: Gegen den Doppelpass.
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Kommentare

Bild des Benutzers pérvasion

Ich bin kein Verfechter des Doppelpasses — doch die Parallele mit der Option ist ein schlechter Witz, der das menschenverachtende Ansinnen zweier totalitärer Diktaturen verharmlost und bagatellisiert.

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Bild des Benutzers Harald Knoflach

Vorausgeschickt, dass ich persönlich mit dem Autor konform gehe, dass die Unionsbürgerschaft endlich konkretere Form annehmen sollte und ich das Thema "Doppelstaatsbürgerschaft" daher für ein eher überflüssiges halte, ich jedoch Demokrat genug bin, zu akzeptieren, wenn es Menschen auf demokratischem Wege vorantreiben möchten, so halte ich den Vergleich mit dem perversen Spiel zweier totalitärer Diktatoren für eine Verharmlosung des Nazi-Faschismus:

Die Option war eine von zwei totalitären Diktaturen aufgezwungene Entscheidung zwischen Teufel und Beelzebub. Zwischen Zwangsassimilierung (zumindest der Propaganda nach konnte sogar die Aussiedlung in den Süden Italiens drohen) und Aufgabe der Heimat. Die zweite Staatsbürgerschaft wäre ein freier und demokratischer Entscheid in einem demokratischen Land bei dem niemand etwas aufgeben muss und würde einer Logik folgen, wie sie Italien mit seinen "Minderheiten" schon längst umgesetzt hat und was dort auch nicht zu groben Konflikten geführt hat.
In der Option entschied der Familienvater für die gesamte Familie, während bezüglich zweiter Staatsbürgerschaft jeder einzelne frei und eigenverantwortlich entscheiden kann. Die Option führte zu schwersten Konflikten, weil sie Verwandtschaften und Dorfgemeinschaften »physisch« zerriss (bzw. zu zerreißen versprach). Es geht heute aber nicht um Umsiedlungen, sondern nur um eine (zweite) Staatsbürgerschaft, die bereits tausende Menschen in Südtirol haben, ohne dass es groß auffallen würde bzw. sich deswegen Konflikte ergeben.
Bei der Option musste sich jeder völlig öffentlich deklarieren, da die gesamte Gemeinschaft nachvollziehen konnte, ob jemand wegzieht bzw. die Vorbereitungen dafür trifft. Bei der zweiten Staatsbürgerschaft muss niemand, der es nicht freiwillig möchte, öffentlich Stellung beziehen. Entschieden wird frei und - wenn gewollt - geheim.

Wie gesagt, dem Thema "Doppelstaatsbürgerschaft" kann man gerne - so wie ich - kritisch gegenüberstehen. Es aber mit der Option zu vergleichen ist angesichts des Leids, das diese verursacht hat, den Konsequenzen, die diese gebracht hat und den Massenmördern, die sie vorangetrieben haben, eine geschmacklose Verharmlosung dieses Verbrechens.

+1-12
Bild des Benutzers Sepp Bacher

Es könnte aber auch sein, dass man die Folgen nicht ganz abschätzen kann, zumal viele Details noch nicht feststehen: es kommt oft anders als man es sich ausmalt!

Bild des Benutzers Harald Knoflach

stimmt. das trifft auf so ziemlich jede entscheidung, die je getroffen wurde und je getroffen werden wird, zu.

Bild des Benutzers Silvia Rier

ganz so abwegig ist der "Vergleich" nicht. denn du weißt nicht, was die menschen aus diesem "freien und demokratischen Entscheid" machen würden (es gibt - gruselige - Beispiele genug). Und nein, es ist kein bisschen auszuschließen, dass die Propaganda der Doppelpässler in die vom Verfasser des Schreibens befürchtete Richtung ginge (der Doppelpass ist für sie ja nur, wie sie selbst betonen, ein Schritt auf dem Weg mit dem Ziel der Wiederangliederung und/oder Sezession) und letztlich die Geschichte noch einmal eine gruselige Richtung einschlagen würde. @ "schwerste Konflikte": was solche "freie und demokratische Entscheide" (auch geheime) in Familien, Dorfgemeinschaften und darüber hinaus anrichten können, kann sowohl in Katalonien als auch in Schottland aktuell sehr schön beobachtet werden

Bild des Benutzers Harald Knoflach

wie du meinst. ich denke hingegen, dass wir wieder ernsthafteren demokratischen diskurs bei gleichzeitiger konsensfähigkeit statt absolutierung von meinungen brauchen. mittlerweile wird, wenn es nach vielen medien und kommentatoren geht, so ziemlich jede entscheidung eine zerreißprobe für ein land.
- die wahl zwischen hofer und van der bellen spaltet österreich
- der brexit spaltet den uk
- trumps wahl spaltet die usa
- das verfassungsreferendum spaltet italien
- die sezessionsbestrebungen spalten katalonien
- wenn auf einem parteitag zwei kandidaten antreten oder einer "nur" 70 prozent der stimmen bekommt
usw. usw.
das ist doch blödsinn. wir sollten endlich wieder demokraten werden, demokratische prozesse und ergebnisse anerkennen und wenn sie uns nicht passen auf demokratischem wege versuchen, sie zu ändern und nicht jedes mal hyperventilieren und den untergang der welt heraufbeschwören, wenn sie nicht so ausfallen, wie ich das möchte. ich wurde wahrscheinlich in meinem ganzen leben noch nie von einer parlamentsmehrheit/regierung regiert, die ich auch gewählt habe. also haben in den letzten jahrzehnten immer leute für mich entscheidungen getroffen, die nicht meiner politischen richtung angehören. na und? das nennt sich demokratie und ich steh halt mein leben lang schon auf der verliererseite. ich probiers einfach weiter. und sollte meine seite einmal zum zug kommen, wird es keine katastrophe. so wie es jetzt auch keine ist.

siehe: http://www.brennerbasisdemokratie.eu/?p=34545

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Bild des Benutzers Martin B.

Sehr guter Kommentar; die Welt und am meisten die Presse lebt mittlerweile scheinbar von Fatalismen. Und wie schon anderswo erwähnt: ich möchte den Doppelpass und würde ihn gern beantragen und hoffe AT gibt sich einen Ruck. DE hat sehr vielen Deutschen aus dem Osten (Russlanddeutsche etc.) sehr gern Staatsbürgerschaft und Pass zugestanden.

Bild des Benutzers Silvia Rier

ich finde es, ehrlich gesagt, ein bisschen beängstigend, wie alles und jeder mit dem "Demokratie"-Argument legitimiert wird (das ergebnis erschreckt gerade mal wieder, da schau an!, akkurat (auch) in Österreich). Der Weg mag ein demokratischer sein, das Ziel und das Ergebnis müssen es nicht (mehr) sein. Und es ist, meine ich, Aufgabe von Demokraten und Demokratien, zu erkennen, ob ein demokratischer Weg zu einem undemokratischen Ergebnis führt (führen könnte) und sich dem, gegebenenfalls, entgegen zu stellen. Ihm auszuweichen, den Weg frei zu machen, mit einem demokratisch-jovialen Schulterklopfen, das (demokratische) Existenzrecht nicht nur zu "gewähren", sondern es auch noch explizit und völlig undifferenziert anzuerkennen, ist m. E. eine Gefahr für "die Demokratie", und keine geringe. ps. nein, kein "Blödsinn", sondern Fakt. es geht nicht um die zwei Pole an und für sich - du vermischst wohl bewusst? - zwei Pole sind durchaus möglich, können sehr gut nebeneinander existieren, auch im politischen (Wett-)Streit, ohne, wie in den hier maßgeblichen Beispielen, die Bevölkerung (noch einmal: ist Fakt) zu spalten und zu entzweien. Das ist eben gerade NICHT demokratisch. --- und nicht zuletzt: derweil hier über einen zweiten pass ventiliert wird (nicht ein "nice-to-have", nebenbei bemerkt, wie hier getan wird), und dort über eine Sezession, beide ebenso gehalt- wie sinnlos, werden - z. B. - die Möglichkeit einer Regionalbürgerschaft, die Thomas Benedikter nebenan erwähnt hat (und die alle "Probleme", die du oben gelistet hast, lösen würde, ohne unerwünschte Nebenfolgen und Begleiterscheinungen), oder, anderes Beispiel, der Stärkung des europäischen Einigungsprozesses Kraft, Ressourcen, Energien und Aufmerksamkeit entzogen, und zwar für die Katz

Bild des Benutzers Harald Knoflach

du hast insofern recht, dass demokratische entscheidungen nicht notwendigerweise demokratische regelungen mit sich bringen müssen - wie das zum beispiel demokratisch zustande gekommene spanische verfassung mit ihrer undemokratischen unteilbarkeitsklausel belegt. und ich habe ja auch geschrieben, dass es meine demokratische pflicht ist, mich entwicklungen, die ich für falsch halte entgegenzustellen.
dennoch ist das inkaufnehmen dieser gefahr das eigentliche wesensmerkmal von demokratie. oder wie es menke und düttmann treffend ausdrücken:
"Demokratie ist keine Gegebenheit. Die Politik ist nur demokratisch, wenn sie bereit ist, über Grenzziehungen zwischen ihrem Innen und ihrem Außen zu reflektieren und zu verhandeln, ihr Selbstverständnis also als ein dynamisches zu begreifen. Nur um den Preis, dass sie sich den damit verbundenen Gefahren aussetzt, verdient sie es, Demokratie genannt zu werden."
auch hast du recht, dass die diskussion über diese zweite staatsbürgerschaft eine - meiner meinung nach - viel wichtigere überlagert - wie thomas in seinem schönen artikel geschrieben hat. wobei das eben nur meine meinung (und die vieler anderer) ist, es jedoch auch eine völlig legitime demokratische übung ist, seine energie für diese zweite staatsbürgerschaft zu verwenden. es gibt auch leute, die sich für eine weitere deregulierung der finanzmärkte, die abschaffung von umweltauflagen usw. stark machen. ich hoffe, dass sie nicht erfolgreich sind - aber wo kämen wir hin, wenn sie das innerhalb demokratischer spielregeln nicht tun dürften?

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Bild des Benutzers Emil George Ciuffo

Bravo! Dem ist nichts hinzuzufügen. Es gibt doch noch gesunden Menschenverstand, auch wenn er oft in der Minderheit ist.

Bekannt und sehr durchschaubar: Wer keine stichhaltigen sachbezogenen und inhaltlichen Argumente hat, braucht halt ein Totschlagargument, also ein (sachfremdes) Scheinargument und bloße Behauptungen, von denen dieser Georg Moroder wohl animmt, dass die Mehrheit der Diskussionsteilnehmer mit ihm in der Bewertung übereinstimmt.
Herr Moroder ..., scheinbar hatten auch 26 EU-Länder keine Probleme: Denn bereits jetzt ermöglichen nämlich 26 von 28 EU-Staaten doppelte Staatsbürgerschaften.

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Bild des Benutzers Basso Meno (gesperrt)

"Denn bereits jetzt ermöglichen nämlich 26 von 28 EU-Staaten doppelte Staatsbürgerschaften."

Wahrscheinlich bereitet die doppelte Staatsbürgerschaft der Exekutive dieser 26 Staaten nur geringe oder keine Probleme. Es gibt aber natürlich auch Staaten, die damit völlig überfordert wären.
Deswegen ja auch: "Noi fummo da secoli derisi," Um genau zu sein, erst seit 1861.

Bild des Benutzers Ludwig Thoma

Wie sieht es eigentlich mit "stichhaltigen, sachbezogenen und inhaltlichen Argumenten" für die Staatsbürgerschaft aus?

Bild des Benutzers Harald Knoflach

@thoma
wie gesagt - ich halte wenig von dem unterfangen. aber sachliche gründe gibt es schon:
- wahlrecht
- österreichische (und somit deutschsprachige) botschaftsvertretung im ausland und österr. reisepass (der allerdings um ein land weniger mächtig ist, als der italienische - sprich mit dem ital. darf man in 157 länder visafrei einreisen - mit dem österreichischen in 156)
- vorteil für studierende "inländer" zu sein
- zugang zu jenem teil des österreichischen arbeitsmarktes, der staatsbürgern vorbehalten ist
- spitzensportler können sich land (ita oder aut) aussuchen, für das sie starten möchten

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Bild des Benutzers Martin B.

Folgenden Punkt finde ich noch interessant: eine Bekundung sich als Teil einer Minderheit zu sehen, die weit stärker als die Sprachgruppenerklärung wirkt; natürlich je nach Anzahl der Südtiroler die darum ansuchen.

Bild des Benutzers Alfonse Zanardi

Ich stimme zu, das Optionsargument find ich aber nicht so gut, da natürlich das der Unionsbürgerschaft viel einleuchtender.
Ich denke die Diskussion um die DSBS ist Symbolpolitik: es geht darum die Fackel der Zwietracht nicht erlöschen zu lassen.
Kommen wird das Ding nie, allein weil das Wahlrecht der Doppelstaatler nicht umsetzbar ist genauso wie die Frage wer sie bekommen würde, z.B. müssten die Trentiner als perfekte Alt-Österreicher sie auch bekommen.

Bild des Benutzers Basso Meno (gesperrt)

Danke, Herr Moroder, alles was die Souveränitätsrechte des italienischen Staats auch nur minimal in Frage stellen könnte, ist scharf abzulehnen.
Danke für Ihre Entscheidungshilfe bezüglich eines Urlaubs in Ortisei.

Bild des Benutzers Sepp Bacher

Ja ja der Doppelpass: Südtirol und das Trentino wollen nächsten Sommen auch einen Doppelpass einführen: sie wollen zum Sellapass auch noch einen zweiten Pass gelegentlich schließen.
Und der FC-Südtirol will in Zukunft bei seinen Spielen so viel als möglich Doppelpässe einbauen.
Übrigens: Ich finde es sprachlich unkorrekt von Doppelpass oder Doppelstaatsbürgerschaft zu sprechen, denn doppelt bedeutet zwei mal das Gleiche (zwei mal den italienischen oder zwei mal der österreichischen Pass). Wer will schon das? Ich verstehe nicht, warum man anstatt Doppelstaatsbürgerschaft nicht einfach von einer zusätzlichen oder zweiten Staatsbürgerschaft spricht.
Zudem: Österreich müsste, um die vielen neuen Staatsbürger zu betreuen, ein Konsulat in Bozen errichten! (Das bräuchte Personal; eine Beschäftigungsmöglichkeit für manchen/r Patrioten/in! Also brächte das Ganze doch einen kleinen Nutzen!)

Bild des Benutzers pérvasion

Dann müssen Sie die Dudenredaktion überzeugen: https://www.duden.de/rechtschreibung/Doppelpass#Bedeutung2

Bild des Benutzers Sepp Bacher

Ja steht im Duden mit dem Zusatz "Umgangssprachlich"; und "steht erst seit 1980 im Duden". Neue Wortkreationen, wenn sie sprachlich auch nicht logisch sind, landen früher oder später im Duden, da muss niemand jemandem überzeugen!

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Bild des Benutzers pérvasion

»Umgangssprachlich« ist der Doppelpass, nicht die doppelte Staatsbürgerschaft, die da auch steht. Aber natürlich ist alles Konvention — nur ist es etwas müßig, wenn du hier bei Salto etwas anderes durchsetzen möchtest, als im Duden steht.

Bild des Benutzers Evi Keifl

eigentlich muss gelten: das thema kalt ignorieren! zu offentsichtlich gehen wir alle grad den wahlkämpfenden rechten auf den leim, die jede stellungnahme auf ihrem konto verbuchen. in diesem sinne klinke ich mich jetzt sofort wieder aus.

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Bild des Benutzers gorgias

Eigentlich habe ich größere Sorgen als die doppelte Staatsbürgerschaft für Südtiroler. Nämlich ob wir es schaffen Europa geeint, handlungsfähig und demokratischer zu gestalten, ob wir es schaffen uns unsere Souveränitat und Rechtsstaatlichkeit nicht für ein paar Glasperlenketten abzuluchsen (TTIP, CETA) Ob wir uns nicht von Global Playern wie Russland einschüchtern lassen undauf den Märkten mit China mithalten können. Ob wir langfristig in dieser globalisierten, kapitalistischen Welt unsere Werte und kulturellen Errungenschaften (Sozialstaat, Demokratie usw ) bewahren können.

Was mich aber an der ganzen Debatte erstaunt, ist aber wie sich einige mit abstrusen Argumenten und mit allen möglichen Unterstellungen gegen die österreichische Staatsbürgerschaft wehren.

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Bild des Benutzers Tomas Kofler

Dann sollten sich jene, die sich hier so vehement gegen den Österreichischen Pass wehren, auch dafür einsetzen, dass keine Argentinier mit italienischen Vorfahren in 3. Generation die italienische Staatsbürgerschaft erhalten... vor allem Fussballer, die sogenannten "Oriundi" wie Mauro Camoranesi...
Gleiches Recht für alle!!!

https://it.wikipedia.org/wiki/Oriundo

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