Matthias Gauly
Eurac Research/Annelie Bortolott
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Interview

“Der Südtiroler ist ja intelligent”

Warum wird Gülle negativ diskutiert? Was müssen Landwirte an Klimaschutz leisten? Wie kann ein systemischer Wandel ohne Konflikte gelingen? Antworten von Matthias Gauly.
Von
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Lisa Maria Gasser11.12.2019
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Kommentare

Bild des Benutzers elisabeth garber
elisabeth garber 11.12.2019, 06:38

Widerspruch ist Zeugnis des denkenden Individuums, soviel zur Logik. Kleinkariert sind wohl die, die unfähig sind, ihre Haltung anhand von neuen Daten und Fakten zu verändern - andere andauernd mit ihrer Rechthaberei nerven. Aber man muss ja nicht drauf einsteigen.

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elisabeth garber 11.12.2019, 08:58

Oje, das ist unter dem falschen Artikel gelandet...2 Versuch

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Sepp Bacher 11.12.2019, 08:45

Dieses Interview ist mir fast zu lang. Es zeigt aber wie kompliziert es ist, einen ausgewogenen Kompromiss zwischen Klima-freundlich, Artenvielfalt, Tierwohl, Wirtschaftlichkeit, Vermarktungen, Verbraucherverhalten usw. zu finden.
Hängen geblieben bin ich an einigen Themen, die mich schon immer interessieren. Und dazu einige Fragen?
Die Gülle besteht ja aus festen (Mist) und flüssigen Bestandteilen (Jauche). Am Ende gibt es Methangas zur Energieerzeugung (keine anderen Gase?) und den festen Gärest (Dünger). Was passiert aber mit der Flüssigkeit der Jauche und was mit dem enthaltenen Stickstoff?
Warum ist die Freiland- oder Weidehaltung ungünstiger fürs Klima? Wäre ja noch viel Tier-gerechter als im Laufstall und erbringt ein besseres Produkt, z.B. bessere Fettsäuren!
Warum bringt man den Dünger, der aus Klärest besteht, nicht wieder auf die „Blumenwiese“ aus, sondern anderswo? Er wäre – im Unterschied zu Gülle oder Frischmist – ja kaum noch mit einer Geruchsbelästigung verbunden!
Eine Bemerkung bzgl. notwendiger Milchpreiserhöhung: Ich glaube, solange man – zumindest bei Großverteilern - viel billigere Alternativen, die ebenso Heumilch, Almmilch, Almbutter, usw. heißen und das selbe versprechen aber aus den südlichen und nördlichen Nachbarregionen stammen, - meistens noch mit längerer Haltbarkeit - kaufen können, wird das nicht viel bringen.

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Brenner Flo 11.12.2019, 11:23

Ja das Interview ist eine "Informationslawine".
"Am Ende gibt es Methangas zur Energieerzeugung (keine anderen Gase?)" - genaugenommen entsteht Biogas (ein Methan-CO2 Gemisch) und CO2. Für Methan in Erdgasqualität wäre ein weiterer Verabreitungsschritt notwendig.
"Warum ist die Freiland- oder Weidehaltung ungünstiger fürs Klima? Wäre ja noch viel Tier-gerechter... " Kann ich leider nicht beantworten, aber Klimaschutz, Umweltschutz und Tierschutz sind komplett unterschiedliche Ziele, die sich auch widersprechen können.

"Was passiert aber mit der Flüssigkeit der Jauche und was mit dem enthaltenen Stickstoff?" -nichts. :) Erstere benötigt man, damit das Substrat im Bioreaktor nicht zu trocken ist. Auch Stickstoff ist für den Fermentationsprozess notwendig, aber es darf nicht zu viel sein (sonst bildet sich Ammoniak)

"Warum bringt man den Dünger, der aus Klärest besteht, nicht wieder auf die „Blumenwiese“ aus, sondern anderswo?" - Klärrest aus Abwasser (Auch von Industrie und Hotels?) auf die "Blumenwiese"? Na Mahlzeit. :)

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Sepp Bacher 11.12.2019, 11:45

Danke für die Infos Flo! Aber ich meine den Klärrest (Dünger) von Biogasanlagen aus Gülle, Mist und Jauche und nicht von Abwässern!
Diese gibt es ja oft an Höfen oder werden von Bauerngenossenschaften geführt. Oder nicht? Nachdem du dich diesbezüglich gut auskennst, erlaube ich mir die Frage: In der Öffentlichkeit waren die Biogasanlagen von ein zwei Jahrzehnten ein häufiges Thema; warum hört man schon lange nichts mehr davon? Haben sich diese nicht bewährt oder wie ist die Bilanz?

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Sepp Bacher 11.12.2019, 11:36

Mit dem Schluss-Absatz bin ich voll einverstanden! Bezüglich des angesprochenen Konflikts, den genannten Gruppen und verhärteten Froten werden keine Namen genannte. Neben den Bauern, den Gastronomen, den Genossenschaften, den Umweltschützern, wer ist da dann noch gemeint und wer vertritt die Endverbraucher, die steigende Preise einfach nicht hinnehmen können!°
Noch ein Wort zu "Wenn wir die Marke derjenigen sind, die mit der Natur wenig am Hut haben, dann wüsste ich nicht, warum irgendjemand den Südtiroler Käse oder Apfel noch essen soll. Wir sind in Südtirol so essentiell voneinander abhängig, dass der Dialog sein muss." Diesbezüglich will Südtirol die Schwächen mit teurem Marketing überdecken und den Verbrauchern das Gegenteil weismachen und reagiert unverhalten, wenn jemand nicht einverstanden ist (Interview am Freitag in der Dolomiten und auf Stol mit Robert Zampieri: "Landwirtschaft in Südtirol nicht madig reden!").
Man will nichts von Überproduktion hören, denn man verkauft die Produkte nicht nur Italien-weit sondern auch nach Ostasien, nach Russland und in den arabischen Raum. Niemand fragt nach den ökologischen Fußabdruck solcher Verkaufspolitik!
Beim Speck, der ja auch ursprünglich ein landwirtschaftliches Produkt ist, wird die Rohware (Hammen und Schlegel) von China eingekauft und letzthin habe ich in einer Sendung gesehen, dass sie jetzt wieder als sogenannte veredelte Ware nach China zurück verkauft werden sollen! Noch Klima- und umweltschädlicher kann man ja nicht wirtschaften! Und dann steckt man sich gerne das Attribut auf dem Hut, eigentlich Landschaftsgärtner und die waren Umweltschützer zu sein!

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Peter Gasser 11.12.2019, 18:04

Der Artikel ist vor allem eines: klar strukturiert, kompetent dargestellt und informativ - und kann doch die verschiedensten Beeinflussungen und Rückkoppelungen gut sichtbar machen. Vor allem die letzte Seite zeigt von hoher Kompetenz, welche leider im Tagesgeschäft zwischen Lobby und Politik nicht mehr zu finden ist.

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Armin Kobler 11.12.2019, 19:43

Unaufgeregt, sachlich, abwägend.
Leider selten in diesen Zeiten, wo fast jeder Diskurs mit Polarisierung beginnt und mit Hetze endet.

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Manuel Oberhauser 11.12.2019, 20:06

Es wäre für Südtirols Bauern aber auch für ganz Südtirol eine rießen Chance, wenn man Gülle mit Kohle aus Holzvergasungsanlagen mischt. Der Geruch ist nahezu weg, der Stickstoff wird in der Kohle gebunden und gelangt so weit weniger ins Grundwasser und zusätzlich wird Kohlenstoff bzw. CO2 im Boden gebunden.

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Pafeiler Matthias 12.12.2019, 18:11

Haben Sie sich mit dem Prozess der Holzkohlevergasung genauer befasst? Ich leider nicht, habe aber mitbekommen, dass das Holz bzw. die Kohle, während der Vergasung mit Verbindungen angereichert wird, die in einem gesunden Boden, der für die Lebensmittelproduktion genutzt werden soll, nix zu suchen haben. Vielleicht wissen Sie ja mehr dazu oder wurde das Problem mittlerweile gelöst?

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Manuel Oberhauser 12.12.2019, 21:14

Die Firma Sonnenerde hat mittlerweile ein zertifiziertes Produkt auf den Markt gebracht, wo die Grenzwerte (für Düngermittel) für PAK's und Schwermetalle eingehalten werden. Die Pyrolyse erfolgt nach dem Pyreg Verfahren mit 600° und einer Dauer von 30min. Auch das Ausgangsgemisch ist festgelegt(85% Dinkelspelzen, 10% Hackschnitzel und 5 Bioabfall).

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Peter Gasser 12.12.2019, 22:18

Zitat Sonnenerde: „Achtung! Eine direkte Anwendung von Pflanzenkohle auf dem Boden kann zu negativen Effekten führen, da sich die Kohle zuerst mit Nährstoffen und Mikrobiologie "aufladen" muss“:
“aufladen“ klingt doch etwas sehr esoterisch, wenn es um Naturwissenschaft geht.

Bild des Benutzers Manuel Oberhauser
Manuel Oberhauser 12.12.2019, 23:38

Ich denke das "aufladen" bezieht sich darauf, dass( wenn ich nicht falsch liege) ein Gramm Kohle eine Oberfläche von 200m2 hat.

Bild des Benutzers Manuel Oberhauser
Manuel Oberhauser 12.12.2019, 23:41

Versuche mit Holzkohle findet man unter http://www.ithaka-journal.net/

Bild des Benutzers Pafeiler Matthias
Pafeiler Matthias 13.12.2019, 18:51

Puh, bei 85% Dinkelspelzen müssten aber einige Plantagen in Südtirol umgestellt werden. ^^
Klingt aber nach einem guten Anfang, wobei vermutlich noch einiges an Entwiklungsarbeit zu leisten ist.

Bild des Benutzers Karl Gudauner
Karl Gudauner 13.12.2019, 15:19

Ausgezeichneter Beitrag zu einem vielschichtigen Thema. Die Schwierigkeit nachhaltige Lösungen umzusetzen besteht u.a. darin, dass die Maßnahmen unterschiedlicher privater und öffentlicher Akteure und Marktsubjekte auf verschiedenen Ebenen wirksam ineinandergreifen müssen: vom Bauern im Ahrntal über die Milchhöfe bis zu den Bauernverbänden, den Lebensmittelkonzernen und der Europäischen Agrarpolitik.
Letzthin hat mich ein Beitrag auf Facebook beeindruckt, in dem die Auswüchse nicht artgerechter Tierhaltung angeprangert wurden. Konkret wurde ausgeführt, dass Nutztiere auch ihr Empfinden von Wohlbefinden haben und dieses durch die technische Optimierung des ökonomischen Outputs und auf ein Minimum eingeengte Lebensräume beeinträchtigt wird, was wahrscheinlich mit langfristigen Schädigungen der Charakteristiken der Nutztiere einhergeht.
Solche Grundsätze sind gegenüber dem ökonomischen Überlebensdruck der Bauern und den Profitinteressen der gesamten Wertschöpfungskette der Industrie schwer durchsetzbar. Aus meiner Kindheit habe ich in Erinnerung, dass eine gute Milchkuh auf eine "Leistung" von maximal 18 bis 20 l Milch gekommen ist. Ein einfaches Rezept wäre es, die EU-Förderungen und sonstige Unterstützungen schrittweise auf eine nachhaltige und artgerechte Tierhaltung auszurichten. Jedenfalls braucht es Tierhaltungsvorschriften, Produktions-, Lebensmittelversorgungs-, Markt- und Logistikregeln und Einkommensgarantien, die in kleinräumigen Regionen wie der unseren die Bauern ermutigen, das zu tun, was natursensiblen Menschen einleuchtet, nämlich nachhaltige Formen der Landwirtschaft zu betreiben und weiterzuentwickeln. Der Weg einer von Handels- und Industriekonzernen abhängigen Produktionssteigerung ist für sie eine Sackgasse.

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Peter Gasser 13.12.2019, 18:14

„Jedenfalls braucht es Tierhaltungsvorschriften, Produktions-, Lebensmittelversorgungs-, Markt- und Logistikregeln...“:
Vor allem braucht es eins: nicht PRODUKTIONSvorschriften, sondern PRODUKTvorschriften!
Ein PRODUKT, das nicht die entsprechenden Eigenschaften hat, darf nicht verkauft werden. Ansonsten weicht der Konsument doch immer nur auf die billigen, da schädlich produzierten Lebensmittel aus und verlagert die Umwelt- und Menschenzerstörung aus seinem Blickfeld hinweg ins Ausland.
Die Vorschriften müssen weg vom PRODUZENTEN und hinauf aufs PRODUKT.
Allerdings wird man dann ein noch viel lauteres Jammern der Konsumenten hören, wenn es nur noch kostengerechte regionale Produkte und noch teurere internationale Produkte geben wird, und nicht mehr zu jeder Zeit alles.

Bild des Benutzers Michael Bockhorni
Michael Bockhorni 14.12.2019, 10:19

ausgezeichneter, sachlicher und informativer Artikel

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